Fragebogen Middelhof

Wie sind Sie zur Mediation gekommen?
Als Konfliktberater in Strafsachen nahm ich 1994 in Herbstein an einer Methodenwerkstatt teil, die erstmals gemeinsam von der Deutschen Bewährungshilfe (DBH) und dem Mediation e.V. (heute Bundesverband Mediation e.V./BM) veranstaltet wurde.
1995 gründete ich mit drei Kollegen des Jugendamtes nebenberuflich eine Praxis für Mediation mit dem Namen „Contaixt“ (gebildet aus „Kontext“, um unseren systemischen Ansatz zu betonen, und in der Schreibweise „aix“ für Aix-La-Chapelle, dem französischen Namen für Aachen).
Inzwischen habe ich mich beim BM als Mediator und Ausbilder für Mediation anerkennen lassen.

Was ist für Sie das Besondere an der Mediation?
Es sind zwei Besonderheiten. Zum einen ist es das subjektive Erleben der Konfliktpartner und nicht die Suche nach der objektiven Wahrheit, wie ich es jahrelang in Gerichtsverhandlungen erlebt habe. Viele Konfliktpartner glauben zunächst selbst, dass es um das „Recht haben“ geht, bevor sie an einer Mediation teilnehmen. Zum anderen ist es die Zukunftsorientierung. Mediation blickt nach vorne, nicht nach hinten.

Was halten Sie für die wichtigste Eigenschaft eines Mediators?
Ein hohes Maß an Empathie bei gleichzeitiger Zurückhaltung bei der inhaltlichen Lösung. Es geht um eine professionelle Balance zwischen Nähe und Distanz. Als Mediator muss ich gut zuhören können und die Kommunikation der Konfliktpartner fördern. Ich unterstütze jede beteiligte Partei bei der Selbstklärung und fördere die wechselseitige Verständigung. Von Thies Stahl habe ich gelernt: Der Mediator ist direktiv im Prozess – nondirektiv im Inhalt. Er hat nur einen Job: Nämlich die Konfliktparteien in einen guten Zustand zu bringen und zu halten. Dabei ist Nachhaltigkeit sehr wichtig.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Mediation?
Der Ausgleich im Rahmen eines TOA, bei dem es um eine Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung unter Einsatz einer Schusswaffe ging. Ein junger Mann konnte nicht verkraften, dass seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte. Die Geschädigte ließ sich auf den TOA ein mit dem Motiv, dem Ex-Freund etwas verständlich zu machen, was ein Richter nicht schaffen konnte. Sie wollte von ihm die glaubwürdige Zusage haben, dass er die Trennung akzeptiere und weder sie noch ihre Tochter jemals wieder von ihm etwas befürchten müssen. Dabei wollte sie ihm in die Augen sehen. Das gelang ihr. Bestrafung war ihr nicht mehr wichtig. Im Ergebnis gelang eine friedvolle Trennung. Das Verfahren gegen den jungen Mann wurde eingestellt, obwohl er eigentlich mit einer Freiheitsstrafe rechnen musste. Alle Beteiligten hatten für die Dauer der Vermittlung eine Menge gelernt. Auch die Justiz.



Was war die schwierigste Situation, die Sie in der Mediation erlebt haben?
Das war noch in den ersten Jahren. Bei einer gefährlichen Körperverletzung, bei der der Geschädigte nach einem Angriff mit einem Bierglas an einem Auge erblindete, ging es den beteiligten Anwälten nur um die zivilrechtliche Regelung (hohes Schmerzensgeld oder Rente war die Frage), während sowohl Täter als auch Opfer zu Statisten degradiert wurden. Ich war überfordert. Heute weiß ich: Kompetenz muss auch erlitten werden.

Was raten Sie jemanden, der zurzeit in der Mediationsausbildung ist und auf der Suche nach geeigneten Fällen ist?
Er oder sie muss sich über seine/ihre Kompetenzen in seinem/ihren Betätigungsfeld im Klaren sein und nicht auf die Bereiche schielen, die schnelles Geldverdienen verheißen. Dann sollte man sich Praktiker/Partner suchen, mit denen man Co-Mediation betreiben kann.

Ihr Motto als Mediator?
In der Ruhe liegt die Kraft – lerne gelassen zu bleiben. Auch die schwierigsten Fälle sind Herausforderungen, an denen ich weiter wachsen kann.



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