Fragebogen Hülsdünker

Wie sind Sie zur Mediation gekommen?
Nach sieben Jahren mit einem vorwiegend juristischen Aufgabenfeld reifte die Erkenntnis in mir, dass die juristische Methode in vielen Fällen nicht hilfreich ist – und just in dem Moment als ich für mich an der entscheidenden Weiche stand, „stolperte“ ich über das Ausbildungsangebot der FernUni im Bereich Mediation: Hier sah ich alles, was ich für mich erkannt zu haben glaubte, bestätigt und auf eine gute Grundlage gestellt. Und diese Annahme hat sich über die vielen Jahre als aktive Mediatorin auch bewahrheitet.

Was ist für Sie das Besondere an der Mediation?
(Fast) jede Sichtweise eines Menschen hat erst einmal ihre Berechtigung und dies wird in der Mediation gelebt. Menschen, die eine erfolgreiche Mediation hinter sich gebracht haben, haben in der Regel viel gelernt: Über vermeintlich „objektive Wahrheiten und andere Sichtweisen“, über „funktionale Kommunikation“ und darüber, dass „anders“ weder „besser noch schlechter“ heißt.
Mit dieser Grundhaltung lassen sich gemeinsam Lösungen finden, die in keinem Gerichtsaal der Welt Thema wären und somit eine gute Ausgangsbasis für einen veränderten Umgang miteinander und damit auch für den Bestand der gefundenen Lösung sind.
Ich würde wagen zu behaupten: nach manchen Mediationen gingen andere Menschen aus meinem Büro, als die, die zuvor hinein gekommen waren. Und das ist, so denke ich, in der Tat etwas Besonderes.

Was halten Sie für die wichtigste Eigenschaft eines Mediators?
Ein gewisses Maß an innerer Freiheit, insbesondere in Bezug auf die Bewertung anderer Lebensstile, Sichtweisen und der daraus folgenden Erscheinungen – allerdings nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit; Respektvoller und wertschätzender Umgang mit anderen Menschen; Souveränität und daraus resultierend die Fähigkeit, auch auf der Metaebene zu agieren, um Parteien die bestmögliche Unterstützung zu geben; Humor und Gelassenheit, keine Angst vor Konflikten und innere Distanz zu emotional aufgeladenen Situationen in der Mediation; Innere und äußere Klarheit über die Grenzen der Mediation – einschließlich der eigenen Grenzen

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Mediation?
Es gab und gibt viele gute Momente – vor allem, wenn der „shift“ passiert – das ist für mich ein ganz besonderer Augenblick und die Basis, auf der eine erfolgreiche Mediation gelingt. Danach ist nichts mehr, wie es noch zu Beginn des Verfahrens war – im positiven Sinn.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass etliche Verfahren mit außergewöhnlichen und „schönen“ Lösungen endeten – von „Vertrauensgleitzeit“ eines Schwerbehindertenvertreters über einen Paradigmenwechsel nach dem shift in einer Trennungmediation, die dann zur noch festeren und bislang andauernden Bindung der Eheleute führte bis hin zur Vereinbarung von Handzeichen in einem Großraumbüro, in dem jahrelang nonverbal (!) Stellvertreterkriege (Jalousien, Ordnung in der Teeküche etc.) ausgefochten wurden – und es letztlich „nur“ um unterschiedliche Ruhebedürfnisse der Teammitglieder ging.



Was war die schwierigste Situation, die Sie in der Mediation erlebt haben?
Da gab und gibt es auch einiges:
Selbstmorddrohung eines Chefs in einer Teammediation, verbal „übermächtige+laute“ Parteien, die versuchen, sowohl die andere Seite als auch die Mediatorin in Grund und Boden zu reden, immer wieder Versuche, die Mediatorin für eigene Zwecke zu instrumentalisieren und Parteien, die trotz aller Bemühungen nicht bereit sind, die Interessen der anderen Seite überhaupt nur ansatzweise anzuerkennen: an dieser Stelle endet in meinen Augen der Einsatzbereich der Mediation

Was raten Sie jemanden, der zurzeit in der Mediationsausbildung ist und auf der Suche nach geeigneten Fällen ist?
Aufmerksam durch die Welt zu gehen und bei jedem Konflikt, der einem begegnet und in dem ein eigener mediativer Einsatz angemessen erscheint, die erlernten Werkzeuge einzusetzen.
Das können auch ganz „banale“ Situationen sein wie eine Meinungsverschiedenheit im Bekanntenkreis oder im Treppenhaus eines Wohnhauses.
Flankiert von Rollenspielen in der Ausbildung sowie in Arbeitsgruppen, um sich für die Praxis fit zu machen.

Ihr Motto als Mediator:
Wirkliche Neutralität ist keine Technik oder eine durch theoretisches Wissen „mal eben“ erlernte Haltung, sie ist in meinen Augen eine ständige persönliche Entwicklung, ein Weg, der das Leben auch der Mediatorin, des Mediators nachhaltig verändern wird. Zwar kein Motto, aber ein für mich dazu passendes Stichwort wäre: Authentizität



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