Fragebogen Breinlinger

Wie sind Sie zur Mediation gekommen?
In den 80er Jahren bin ich im Rahmen meiner Ausbildungen zum Systemischen Familientherapeuten bzw. Systemischen Organisationsberater in Heidelberg (IGST) das erste Mal mit Mediation in Kontakt gekommen.
Zu dieser Zeit war ich mit einem Arbeitsschwerpunkt mit Trennungs-/Scheidungsberatung im Arbeitskreis Partnerschaftskrise, Trennung, Scheidung in Frankfurt beschäftigt und in der BAT einem überregionalen Verband zur Trennungs-/Scheidungsberatung engagiert. Aus diesem Verband heraus haben wir die BAFM gegründet und uns von Amerikanern wie John Haynes, Gary Friedman, Jack Himmelstein, Florance Kasslow, etc. zu Mediatoren ausbilden lassen.

Was ist für Sie das Besondere an der Mediation?

Mediation bietet für alle sich in Konflikten verstrickten Kontrahenten, sei es im Familienbereich, im Wirtschaftsbereich oder im öffentlichen Bereich, eine potente Alternative zu Verantwortung abgebenden Regelungsmöglichkeiten im Obrigkeitsstaat.
Mediation in der sogenannten Postmodernen Gesellschaft ist für mich verbunden mit Stichworten wie, Selbstbestimmtheit, Selbstverantwortung, Individualität und gelebter Demokratie der Bürger.

Was halten Sie für die wichtigsten Eigenschaften eines Mediators?
Neben einer guten Ausbildung in allen für Mediation notwendigen Disziplinen sind Freude an Kommunikation, Auseinandersetzungsbereitschaft in Konfliktsituationen, Frustrationstoleranz, Empathie und Humor die wichtigsten Eigenschaften eines Mediators um von den Kontrahenten Allparteilichkeit zugeschrieben zu bekommen.

Was war das schönste Erlebnis in der Mediation?
Im Rahmen eines 4 jährigen Modellprojektes für das Justizministerium Hessens wurde mir ein Fall von einem OLG-Richter „über-pfohlen“ der schon fast 8 Jahre die Gerichte beschäftigt hatte. Mann wie Frau zeichneten sich durch einen sehr wortkargen aber deftigen Kommunikationsstil aus. – Vier Sitzungen später und für mich völlig überraschend „bellte“ mir der Mann folgendes herüber: „M-e-d-i-t-a-t-i-o-n kört zur Pflicht g´macht für solche wie uns, mir henn die Kinder jo völlig us em Ag verlohre kat! – Gell Frau!“ – „Des stimmt aber!“ Nach der fünften Sitzung konnten wir die Mediation erfolgreich beenden.

Was war die schwierigste Situation, die Sie in der Mediation erlebt haben?
Ebenfalls im Rahmen des o.g. Projekts kam ein Paar in die Mediation, beide hocheloquente Akademiker, die seit 13 Jahren mit wechselndem Erfolg vor den Gerichten um die Kinder gestritten hatten. Auf die Frage „Welche Beziehung hat jedes Ihrer Kinder zu (jeweils) Ihnen?“ antwortete die Frau „Mir ist egal welche Beziehung die Kinder zu mir haben – die haben bei mir zu leben – dann biege ich sie mir schon hin!“ – Diese Aussage, die noch mehrfach unterstrichen wurde und eine tiefe Überzeugung der Frau zu sein schien ließ für mich keine Möglichkeit zur Fortsetzung der Mediation mehr zu. - Ich beendete die Mediation mit einer tiefen Betroffenheit bzgl. der drei Kinder.

Was raten Sie jemanden, der zurzeit in der Mediationsausbildung ist und auf der Suche nach geeigneten Fällen ist?
- Lernen Sie Mediation von Praktikern, diese haben Fälle und sprechen Sie sie auf ein Volontariat an.
- Fragen Sie in Ihrem Ausbildungsinstitut nach.




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